{"id":11467,"date":"2025-09-08T00:50:29","date_gmt":"2025-09-07T22:50:29","guid":{"rendered":"https:\/\/dasgesundheitswesen.de\/2025\/?p=11467"},"modified":"2025-09-08T00:57:21","modified_gmt":"2025-09-07T22:57:21","slug":"wie-kann-die-patientensteuerung-in-der-indikationssprechstunde-funktionieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dasgesundheitswesen.de\/2025\/wie-kann-die-patientensteuerung-in-der-indikationssprechstunde-funktionieren\/","title":{"rendered":"Wie kann die Patientensteuerung in der Indikations\u00adsprechstunde funktionieren?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Lotsenfunktion des Medizincontrollings und Empfehlungen zur praktischen Umsetzung. Eine fr\u00fchzeitige, sektor\u00fcbergreifende und sowohl medizinisch als auch gesundheits\u00f6konomisch belastbare Prozessplanung f\u00fcr den einzelnen Patienten wird einen wesentlichen Einfluss auf eine effiziente Leistungserbringung unter Ber\u00fccksichtigung einer angemessenen Behandlungsqualit\u00e4t haben. Das operative Medizincontrolling sollte diese Prozesse nicht nur fachlich begleiten, sondern auch prozessual und administrativ absichern. Wie diese Lotsenfunktion in der Indikationssprechstunde konkret ausgestaltet werden kann, ist Gegenstand des folgenden Artikels.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei elektiv zu behandelnden Patientinnen und Patienten ist die Indikationssprechstunde der geeignete Ort und die Planung eines Operations- oder Interventionstermins der geeignete Zeitpunkt zur Patientensteuerung. Hierbei sollten die folgenden f\u00fcr die Organisation der Behandlung essenziellen Fragen gekl\u00e4rt und die Antworten nachvollziehbar in der Patientenakte dokumentiert werden:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2022 Was soll therapiert werden?<br>Diese Frage dient der Kl\u00e4rung der Indikation und damit der prim\u00e4ren Behandlungsdiagnose. Zum Beispiel sind nicht alle Diagnosen relevant f\u00fcr Hybrid-DRGs. Eine Abrechnung als Hybrid-DRG k\u00e4me dann nicht in Betracht. Dar\u00fcber hinaus ist die potenzielle Hauptdiagnose wichtig zur Identifikation resultierender DRGs. Denn nur, wenn die Kombination aus den voraussichtlich im Rahmen des Eingriffs oder der Intervention zu kodierenden OPS-Prozeduren auch in eine Ausgangs-DRG f\u00fcr Hybrid-DRGs f\u00fchrt, ist eine Abrechnung \u00fcber Hybrid-DRGs oder AOP \u00fcberhaupt relevant.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2022 Wie soll therapiert werden?<br>Neben der Frage, was behandelt werden soll, kommt der Frage, wie das Behandlungsziel durch eine Operation oder eine Intervention erreicht werden soll, eine zentrale Bedeutung zu. Hierbei ist die Identifikation der h\u00f6chstwahrscheinlich zu w\u00e4hlenden OPS-Kodierung f\u00fcr den Eingriff \/ die Intervention von gro\u00dfer Wichtigkeit, um die Zuordnung der Ma\u00dfnahme zu Hybrid-DRGs bzw. AOP-Leistungen simulieren zu k\u00f6nnen. Weitere wichtige Informationen in diesem Zusammenhang sind z. B., ob es sich um einen Rezidiveingriff handelt oder ob geplant ist, z. B. k\u00f6rpereigene oder alloplastische Materialien zu verwenden. Gegebenenfalls kommen OPS-Prozeduren zum Einsatz, die Kontextfaktoren im Sinne einer AOP- oder Hybrid-Abrechnung sind. Bei einer Erbringung als ambulante OP im Krankenhaus ist auch interessant, ob bei mehreren potenziellen OPS-Ziffern m\u00f6glicherweise Simultaneingriffe abgerechnet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2022 Sachkosten \/ Implantatkosten:<br>Direkt verbunden mit der Frage, welche Operation \/ Intervention beim Patienten durchgef\u00fchrt werden soll, ist die Kl\u00e4rung der voraussichtlich entstehenden Sachkosten zur Erreichung des Behandlungsziels. Hierbei ist es ratsam, sich auf die Implantatkosten und die Kosten des sonstigen, dem Fall eindeutig zuzuordnenden Materials zu fokussieren, da diese Kosten sehr uneinheitlich refinanziert werden. Idealerweise werden zu diesem Zeitpunkt des Steuerungsprozesses mehrere alternative Szenarien mit unterschiedlich hohen Sachkosten erstellt, um in Abh\u00e4ngigkeit des sp\u00e4teren Versorgungsprozesses, die Sachkosten \/ Implantatkosten nicht unber\u00fccksichtigt zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2022 Liegen Komorbidit\u00e4ten und \/ oder Kontextfaktoren vor?<br>Die Beantwortung dieser Frage erg\u00e4nzt die Kodierung in Vorbereitung des n\u00e4chsten Schrittes, der Fallsimulation. Komorbidit\u00e4ten, die oft \u00e4rztlicherseits in der Patientenakte mit der ASA-Klassifikation beschrieben werden, k\u00f6nnen an dieser Stelle in Form einzelner Nebendiagnosen differenziert, plausibilisiert und bei der nachfolgenden Fallsimulation auf Ihre Bedeutung f\u00fcr die Art der Leistungserbringung \u00fcberpr\u00fcft werden. Gleiches gilt f\u00fcr die Identifikation von Kontextfaktoren, die, wenn vorhanden, einer Leistungserbringung als AOP- oder Hybrid-DRG entgegenstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2022 Fallsimulation:<br>Im unmittelbaren Anschluss an das Zusammentragen der Hauptdiagnose, der Nebendiagnosen und der potenziell zu erbringenden OPS-Prozeduren wird unter Ber\u00fccksichtigung weiterer Stammdaten der Patienten (z. B. Patientenalter, Vorhandensein eines Pflegegrades u. a.) eine Gruppierungs- und Erl\u00f6ssimulation des geplanten Eingriffs durchgef\u00fchrt. Das Ergebnis zeigt den potenziellen Abrechnungspfad auf der Basis der zu diesem Zeitpunkt vorhandenen Informationen: AOP-Abrechnung oder Hybrid-DRG mit Aufnahme und Entlassung am gleichen Tag oder Hybrid-DRG mit einer \u00dcbernachtung oder vollstation\u00e4re Aufnahme und Abrechnung \u00fcber aG-DRGs. Die behandelnden \u00c4rztinnen und \u00c4rzte k\u00f6nnen nun mit Unterst\u00fctzung durch das Medizincontrolling den Behandlungspfad effizient organisieren. Diese Fallsimulation bereits zum Zeitpunkt der Indikationsstellung ist ein organisatorisches Novum f\u00fcr die meisten Kliniken in Deutschland. S\u00e4mtliche Abrechnungsprozesse (mit Ausnahme des fallbegleitenden Kodierens bei vollstation\u00e4ren Behandlungsf\u00e4llen) finden derzeit regelhaft nachgelagert, also nach der durchgef\u00fchrten Behandlung bzw. nach der Entlassung des Patienten aus der vollstation\u00e4ren Versorgung, statt. Dies ist vor dem Hintergrund der Notwendigkeit einer effizienten Leistungserbringung bei deutlich reduzierten Erl\u00f6sen im Vergleich zur ehemals vollstation\u00e4ren Therapie nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Strukturen und der Personaleinsatz m\u00fcssen an diese neuen Rahmenbedingungen angepasst werden. Hierbei ergeben sich weitere organisatorische und prozessuale Herausforderungen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei ambulanter\/hybrider Leistungserbringung<br>\u2022 Es ist die Versorgung des Patienten im h\u00e4uslichen Umfeld zu pr\u00fcfen. Kann der Patient nach dem Eingriff \/ der Intervention abgeholt werden? Ist der Patient \u00fcber 24 Stunden nach dem Eingriff \/ der Intervention durch eine vollj\u00e4hrige Person versorgt? Hat der Patient die Indikation f\u00fcr den Eingriff verstanden und ist er in der Lage, den \u00e4rztlichen Verhaltensempfehlungen zu folgen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2022 Es ist die pr\u00e4- und postoperative \u00e4rztliche Versorgung bzw. Anbindung zu pr\u00fcfen bzw. zu organisieren. Durch wen erfolgt die pr\u00e4operative Vorbereitung und in welchem Umfang? Wer f\u00fchrt die postoperative Nachbeobachtung durch und in welchem Umfang? Sofern bei einer Abrechnung \u00fcber Hybrid-DRGs die postoperative Nachbeobachtung im Krankenhaus stattfindet, welches die Operation\/Intervention durchgef\u00fchrt hat, ist auf eine entsprechende Dokumentation zu achten, um die hierf\u00fcr vorgesehene zus\u00e4tzliche Verg\u00fctung zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2022 Bei einem AOP-Eingriff ist die M\u00f6glichkeit der Abrechnung von Simultaneingriffen zu pr\u00fcfen und ggf. auf die hierf\u00fcr notwendigen Dokumentationsvoraussetzungen hinzuweisen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2022 Ergeben sich im Rahmen dieser Pr\u00fcfung Hinderungsgr\u00fcnde f\u00fcr eine ambulante\/hybride Leistungserbringung, so sind diese zu dokumentieren und eine vollstation\u00e4re Leistungserbringung zu evaluieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei vollstation\u00e4rer Leistungserbringung:<br>\u2022 Es sind die Gr\u00fcnde f\u00fcr eine vollstation\u00e4re Leistungserbringung in der Patientenakte zu dokumentieren.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Personelle und technische Ausstattung<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alle der oben aufgef\u00fchrten Fragen, die im Rahmen der Indikationsstellung des Eingriffs \/ der Intervention zu beantworten sind, erfordern eine sowohl personelle als auch EDV-technische Unterst\u00fctzung der \u00c4rztinnen und \u00c4rzte durch erfahrene Kodierfachkr\u00e4fte aus dem Medizincontrolling, die als Lotsen fungieren. Diese m\u00fcssen neben hervorragenden Kenntnissen der Klassifikationssysteme f\u00fcr Diagnosen (ICD-10-GM) und Prozeduren (OPS), des aG-DRG-Systems und der Hybrid-DRGs auch tiefgreifendes Know-how bzgl. der AOP-Abrechnung im Krankenhaus und des EBM aufweisen \u2013 also \u201eAbrechnungs-Allrounder\u201c sein. Dar\u00fcber hinaus m\u00fcssen sie gut mit den \u00c4rztinnen und \u00c4rzten kooperieren, denn s\u00e4mtliche Informationen m\u00fcssen im Rahmen der engen zeitlichen Taktung einer Indikationssprechstunde erhoben, beurteilt, dokumentiert und zu einer Entscheidung \u00fcber den weiteren prozessualen Weg verdichtet werden. Diese entsprechend qualifizierten Personen sind rar. In vielen Kliniken sind die station\u00e4re und ambulante Abrechnung historisch getrennt \u201ein zwei Welten\u201c organisiert, die oftmals nur wenig \u00fcber- und voneinander wissen. Da der Personalmangel in den Kliniken hoch ist und es die beschriebenen \u201eAbrechnungs-Allrounder\u201c nur in sehr geringer Anzahl gibt, ist eine zus\u00e4tzliche EDV-\/Software-Unterst\u00fctzung bei den genannten Prozessen unumg\u00e4nglich. So sind prozessuale Erleichterungen auch durch die Definition von Standardeingriffen zu erreichen. Aber auch der Einsatz von K\u00fcnstlicher Intelligenz ist in diesem Rahmen zu evaluieren.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Artikel wird die neue Funktion des operativen Medizincontrollings als interdisziplin\u00e4rer, prozessbegleitender Partner der \u00c4rzteschaft in Sachen Dokumentation und Erl\u00f6ssicherung zum Zeitpunkt der Indikationsstellung und des Behandlungsbeginns praxisnah erl\u00e4utert. Die wachsende Bedeutung der fr\u00fchzeitigen Integration des Medizincontrollings in die Steuerung klinischer Abl\u00e4ufe wird verdeutlicht. Sofern neben den hier thematisierten elektiven Behandlungsf\u00e4llen auch vermehrt nicht-elektive, wie z. B. Appendektomien \u00fcber Hybrid-DRGs abgebildet werden, werden die Herausforderungen noch deutlich zunehmen. Dar\u00fcber hinaus warten auf die Kliniken weitere prozessuale Ver\u00e4nderungen bei der Leistungserbringung selbst, z. B. ob f\u00fcr die AOP- und Hybrid-Eingriffe ein MVZ oder ambulantes OP-Zentrum zur Verf\u00fcgung steht oder ob das \u00e4rztliche und nicht-\u00e4rztliche Personal effizient eingesetzt wird). Hierzu werden weitere Artikel folgen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Lotsenfunktion des Medizincontrollings und Empfehlungen zur praktischen Umsetzung. Eine fr\u00fchzeitige, sektor\u00fcbergreifende und sowohl medizinisch als auch gesundheits\u00f6konomisch belastbare Prozessplanung f\u00fcr den einzelnen Patienten wird einen wesentlichen Einfluss auf eine effiziente Leistungserbringung unter Ber\u00fccksichtigung einer angemessenen Behandlungsqualit\u00e4t haben. Das operative&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":11468,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"inline_featured_image":false,"_price":"","_stock":"","_tribe_ticket_header":"","_tribe_default_ticket_provider":"","_tribe_ticket_capacity":"0","_ticket_start_date":"","_ticket_end_date":"","_tribe_ticket_show_description":"","_tribe_ticket_show_not_going":false,"_tribe_ticket_use_global_stock":"","_tribe_ticket_global_stock_level":"","_global_stock_mode":"","_global_stock_cap":"","_tribe_rsvp_for_event":"","_tribe_ticket_going_count":"","_tribe_ticket_not_going_count":"","_tribe_tickets_list":"[]","_tribe_ticket_has_attendee_info_fields":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-11467","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dasgesundheitswesen.de\/2025\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11467","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dasgesundheitswesen.de\/2025\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dasgesundheitswesen.de\/2025\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dasgesundheitswesen.de\/2025\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dasgesundheitswesen.de\/2025\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11467"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/dasgesundheitswesen.de\/2025\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11467\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11478,"href":"https:\/\/dasgesundheitswesen.de\/2025\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11467\/revisions\/11478"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dasgesundheitswesen.de\/2025\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11468"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dasgesundheitswesen.de\/2025\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11467"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dasgesundheitswesen.de\/2025\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11467"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dasgesundheitswesen.de\/2025\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11467"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}